Kum Nye

Das tibetische Heilyoga Kum Nye hat seine Wurzeln in dem  tibetischen Yoga-System des Nying-thig-tsa-lung   ( Yoga der feinstofflichen Energien) sowie in der traditionellen tibetischen Heilkunst. Lama Tarthang Tulku Rinpoche hat diesen Übungsweg in den Westen eingeführt. 

Kum Nye ist ein Übungssystem zur Entspannung, Anregung der körperlich/geistigen Energien und zur Lösung von Blockaden im Energiesystem. Die Übungen sind eine wirkungsvolle Methode für Stressreduktion und -Management  sowie für Selbsterfahrung. Sie fördern eine tiefe innere Ruhe, die Entwicklung von Ich-Stärke, Willenskraft und körperliches Wohlbefinden.

Die vielfältige Wirkung von Kum Nye wurde von Prof. Dr. Peter Machemer, Fachbereich Psychologie der Universität Osnabrück, und seinen Mitarbeitern untersucht. Mehrere Forschungsberichte belegen die Wirksamkeit von Kum Nye bei psychosomatischen Erkrankungen und zur Stressprävention bzw. Stressmanagement.

Das an der Universität Osnabrück entwickelte Meditative Stressbewältigungsprogramm (MSP) beruht zum größten Teil auf Kum Nye.

Kum Nye ist kein Ersatz für eine ärztliche oder therapeutische Behandlung.

Ursprung und Bedeutung von Kum Nye

Die tibetische Kultur ist vom Gedankengut des Buddhismus geprägt. Auf diesem Hintergrund ist Kum Nye entstanden. Kum Nye ist aber kein traditioneller Buddhismus, es steht jedem Menschen offen. Es richtet sich an die unmittelbare Erfahrung des Menschen und lädt zum Experimentieren ein. Sinn des Übens ist das achtsame Erleben des augenblicklichen Geschehens. Die Übungen können verstanden werden wie Lebenssituationen. Und hier kann der liebevolle Umgang mit sich selbst im Mittelpunkt der Übungssituation stehen.

Die traditionelle tibetische Heilkunst betrachtet Körper und Geist als eine Einheit. Einseitige Ernährung und Umwelteinflüsse, eine ungesunde Lebensführung sowie starre geistige Haltungen und Vorstellungen können zu einem Ungleichgewicht der Energieflüsse führen. Die beiden tibetischen Wörter Ku (sKu) und Nye (mNye) aus denen sich der Begriff Kum Nye zusammensetzt, bedeuten wörtlich Körpermassage. Mit dem Körper ist nicht nur der physische Körper gemeint, sondern unser ganzes Dasein, der Sinn und die Werte unseres Lebens. Die Grundbedeutung von Nye ist ein hartes Stück Leder weich massieren. In diesem Zusammenhang bedeutet Massage anregen, entspannen und harmonisieren bzw. den feinstofflichen Energiefluss von Körper und Geist anregen und Blockaden in den Energiebahnen lösen. Ganzheitlich umfassend kann Kum Nye dazu anregen und inspirieren, wie wir nach innen und nach außen ein harmonisches Leben führen können.

Übungsarten von Kum Nye

  • Meditationen, die die Wahrnehmung für den Körper und den natürlichen Fluss des Atems intensivieren
  • sehr langsam und bewusst ausgeführte Bewegungen
  • Selbstmassagen mit Druckpunkten
  • Mantras ( heilsame Klänge )

Grundlegend bei der Übungspraxis des Kum Nye ist das stille Sitzen. In dieser Haltung ruhen Körper und Geist in sich selbst. Traditionell wird das Sitzen in der klassischen Meditationshaltung auf dem Boden sitzend  ausgeführt. Es kann aber genauso gut auf einem Stuhl ausgeführt werden.  Stilles Sitzen wird seit Jahrtausenden von Meditierenden praktiziert.

Meditation

Hier handelt es sich um grundlegende Achtsamkeitsübungen. Die Wahrnehmungsfähigkeit und das Einfühlungsvermögen werden geschult inmitten der Übungssituation und im ganz alltäglichen Leben. In eher kopflastigen Lebensumständen kann dies sehr hilfreich sein. Stetig wiederkehrende Gedankenbilder, feste Überzeugungen und Haltungen können bewusst wahrgenommen werden. In wacher Gegenwärtigkeit sind Projektionen und vorgefasste Meinungen leichter erkennbar.

 

Bewegungsübungen

Die meisten Übungen sind technisch einfach. Das Besondere ist das langsame Tempo in dem sie ausgeführt werden. Die Bewegungsübungen lassen sich in vier Gruppen unterteilen:

  1. Kreisende oder fließende Bewegungen
  2. Spannungspositionen
  3. Gleichgewichtsübungen
  4. Dehn-, Streck-, und Beugeübungen

Die Körper- und Bewegungsübungen werden sanft und langsam ausgeführt. Dadurch vertieft sich die bewusste Wahrnehmung und Sensibilisierung. Im Üben kann der grundlegende zeitlose Rhythmus von Ruhe und Bewegung unmittelbar erfahren werden. Die Aufmerksamkeit ist bei den Empfindungen und Gefühlen, ganz im Augenblick.

 

 

Bewusster Atem und stilles Sitzen

Der Atem strömt in seinem natürlichen Rhythmus durch Mund und Nase. Es wird nicht kontrollierend in den Atemfluss eingegriffen. Körperliche Verspannungen sowie emotionaler Stress können dazu führen, dass der Atemfluss behindert ist. Ganz besonders in anhaltenden Stresssituationen ist die Atemströmung blockiert und die Verbindung zwischen den Energiezentren ist eingeschränkt. Dies wirkt sich ganz besonders auf die Energien des Kehlzentrums aus. 

Kum Nye kann verstanden werden als innere Massage:

  • Die Wahrnehmung wird feiner und ganzheitlich
  • Eine wohltuende Harmonie zwischen den Energiezentren wie Bauch- Herz-Kehl und Kopfzentren kann sich entfalten
  • Gefühle einer tiefen inneren Ruhe, Freude und Ganzheit können sich ausdehnen
  • Körperliche und mentale Verspannungen lösen sich, festgehaltene Energie kann sich frei bewegen
  • Die mit dem Atem verbundene Lebensenergie durchströmt Körper, Geist und Sinne
  • Das Herz kann sich vertrauensvoll entspannen und öffnen
  • Die Selbstmassagen mit Druckpunkten lösen sanft Blockaden im gesamten Körper. 

 

Ein paar Worte zur Übungspraxis

Das nicht an Zielen und Leistung orientierte Kum Nye ist geprägt vom Geist der Freiheit und Achtsamkeit. Es ist eine Übungspraxis ohne Ideologie und starre Formen. Es fördert eine harmonische Lebensweise. Regt dazu an, im ganz einfachen Alltagsgeschehen bewußt und mit einer offenen inneren Haltung wahrzunehmen. Körper, Herz und Geist sowie die ganz alltäglichen Erfahrungen weisen uns ganz spontan den Weg zu mehr Gleichgewicht, Wohlbefinden und Lebensqualität.